Historischer Hintergrund

Schätzungsweise über 2.000 Massenerschießungsstätten befinden sich auf dem Gebiet der heutigen Ukraine. In abgelegenen Schluchten und Wäldern, Mitten auf Feldern, in ehemaligen Panzergräben oder Sandgruben wurden ganze jüdische Gemeinden oft innerhalb weniger Tage von Einheiten der Wehrmacht, SS und Polizei unter Beteiligung einheimischer Helfer ausgelöscht. Oft zwang man die Opfer dazu, die Gruben selbst auszuheben und sich zu entkleiden. Meist wurden die Männer zuerst erschossen, dann Frauen und Kinder. Dramatische Szenen spielten sich angesichts des bevorstehenden Todes an den Gruben ab.

Viele dieser Mordstätten sind nach dem Krieg in Vergessenheit geraten. Für die wenigen Überlebenden musste das Gedenken an ihre ermordeten Familienangehörige, Freunde und Bekannte privat bleiben. Die offizielle sowjetische Geschichtsschreibung verweigerte die Anerkennung der Juden als eigenständiger Opfergruppe des Zweiten Weltkrieges. Wenn auf Initiative jüdischer Überlebender und Rückkehrer bescheidene Gedenksteine aufgestellt werden durften, mussten sie »friedlichen sowjetischen Bürgern« gewidmet sein.

Erst in den 1990er Jahren – in der unabhängigen Ukraine – wurden vielerorts Gedenksteine aufgestellt, die die jüdische Identität der Opfer benannten. Hunderte Massengräber sind allerdings bis heute unmarkiert, ungeschützt und verwahrlost. Ihre Flächen werden landwirtschaftlich genutzt oder überbaut. Spuren von Grabschändungen bieten einen trostlosen Anblick. Die meisten Massengräber sind keine würdigen Orte der Trauer, des Gedenkens, der Erinnerung und der Information über das ausgelöschte jüdische Leben.

Karte der heutigen Ukraine mit Städten und Dörfern, in denen von 1941 bis 1943 jeweils 500 oder mehr Juden erschossen wurden. Es handelt sich allein in dieser Dimension um 300 Orte. Hinzu kommen hunderte weitere Massenerschießungsorte.
Karte der heutigen Ukraine mit Städten und Dörfern, in denen von 1941 bis 1943 jeweils 500 oder mehr Juden erschossen wurden. Es handelt sich allein in dieser Dimension um 300 Orte. Hinzu kommen hunderte weitere Massenerschießungsorte.