Projektarbeit

Das Projekt »Erinnerung bewahren« verbindet Maßnahmen zum nachhaltigen Schutz und würdiger Gestaltung der Massengräber mit aktiver historischer und pädagogischer Arbeit. Die Komplexität des Projektes spiegelt sich in seinen Arbeitsbereichen und Leitsätzen wider:

Die genaue Lage und die Grenzen der Gräber an den Projektorten werden mit Hilfe non-invasiver Methoden bestimmt, um die jüdischen Religionsanweisungen der Halacha zu berücksichtigen und die Totenruhe zu wahren. Vertreter des Komitees für den Schutz jüdischer Friedhöfe in Europa begleiten die Bodenarbeiten – die archäologischen Untersuchungen sowie bevorstehende Bauarbeiten – und sorgen für die Einhaltung der Halacha. Auch Vertreter lokaler jüdischer Gemeinden werden in die Projektarbeit involviert.

Die Flächen der Massengräber und die angrenzenden Flächen werden administrativ umfassend geschützt. Dieser Schutz beinhaltet zunächst die Übertragung der betroffenen Grundstücke in den kommunalen Besitz, die Umwidmung des Nutzungszweckes des Grundstücks für die offizielle Nutzung als Gedenkort und entsprechende Übertragung in die Katasterpläne. Nach der Fertigstellung sollen die Gedenkorte in das staatliche Register der Denkmäler von lokaler Bedeutung eingetragen und damit unter den staatlichen Schutz gestellt werden.

Die Massengräber sollen baulich geschützt und als würdige Gedenk- und Informationsorte gestaltet werden. Hierfür werden mit Hilfe von Architekten kostengünstige und nachhaltige Lösungen gesucht. Die vorhandenen Gedenkelemente werden beibehalten und in die neuen Gedenkorte integriert. Eine große Herausforderung ist dabei der Schutz von Massengräbern, die geöffnet und geschändet werden.

Eine breit angelegte historische Recherche trägt dazu bei, die Lage der Massengräber, die Opferzahlen, die Schicksale der einzelnen Opfer und Überlebenden, den Tathergang und die beteiligten Täter zu ermitteln. Die Ergebnisse der Forschungen werden öffentlich gemacht. Die Geschichte der jüdischen Gemeinden und ihrer Vernichtung im Holocaust wird in Form von mehrsprachigen Informationsstelen sichtbar. Die Ergebnisse der historischen Arbeit fließen auch in die pädagogische Arbeit mit benachbarten Schulen sowie in ein Oral-History-Projekt mit Studenten ein. Das Bildungsprogramm soll Lehrer, Schüler und Studenten zur selbständigen Erkundung ihrer lokalen Geschichte anregen und sie als Paten für die neuen Gedenkorte gewinnen.